Oswords - Gedichte und Texte

Hier findet ihr meinen jüngsten Text. Er ist quasi noch warm und pulsiert sanft in eurer Hand, wenn ihr ihn hochnehmt. Guten Appetit!


NEBELKERZEN / verstörender Mitschnitt einer Alltagszene aus dem November 2018

Immer auf einer Schleimschicht, dick und undurchdringlich,

bewegte ich mich und sprach mit dir.

Sah die Türen nicht, die da waren,

um hindurchzugehen und uns wirklich zu treffen.

Unermüdlich kamen leere Worte aus meinem Mund,

hohl und laut und verwirrten den Raum wie Nebelkerzen die ich warf,

um abzulenken von den Tiefen, dem Dunklen, dem Heißen und dem Echten.

Der Stille.

Doch jetzt schweige ich, spreche nicht mehr und bewege mich kaum noch.

Meine Hände liegen stumm auf der Erde und ich atme aus.

Atme aus. Ich atme aus.

Der Blick deiner Augen trifft in meine Augen wie Pfeile.

Warme Luft verlässt meinen Körper.

Denn ich atme aus. Ich atme aus.

 

Und wie alles langsam zu Boden sinkt,

der Nebel verfliegt und die Wörter verklingen,

beginnt die Stille zu sprechen,

voller Schmerzen, voller Angst, voller Sehnsucht nach echter Nähe,

und atmet ein und laut schluchzend wieder aus.

Und atmet ein und laut schluchzend wieder aus.

Und laut schluchzend wieder aus.

Und wieder aus.

Und aus.

 

(20.09.2020)