Poemcircle

Ich liebe es, mit anderen zusammen zu schreiben!

Die Idee von POEMCIRCLE ist einfach:

DREI Leute

DREI Gedichte

Jeder beginnt ein Gedicht zu schreiben und reicht den Anfang an den nächsten weiter. Dieser schreibt weiter.

Die Texte zirkulieren in diesem Kreis, bis sie fertig sind. Wann sie fertig sind, entscheiden alle drei zusammen.

Lust mitzumachen? Super! Lust schon, aber Angst? Noch besser! Melde dich.

Per Mail unter poemcircle1(at)web(dot)de

 

I love writing together with others! The idea behind POEMCIRCLE is simple:

THREE people

THREE poems

Each begins to write a poem and passes the beginning on to the next. That person continues writing.

The texts circulate in this circle until they’re finished. All three decide together if they are finished or not.

Want to join in? Great! Want to, but are afraid? Even better! Get in touch.

By email at poemcircle1(at)web(dot)de

Am Feuer / Kugelschreiber auf Papier, 13x13 cm (2019) / Christian Peter Niklis
Am Feuer / Kugelschreiber auf Papier, 13x13 cm (2019) / Christian Peter Niklis

Poemcircle Fourteen (07.2020)

Johannes M. Sauerbier / Madita Wucherer / Martina-Riccarda Niklis

 

Johannes über die beiden folgenden Gedichte: "Beide Gedichte sind für mich sehr nachfühlbar und in ihnen kann ich mich ... mit allen meinen Körpern wiederfinden."

 

Madita über das Gedicht WUT: "In der Kombi aus Farben und Gefühlen und der Entwicklung hin zur Freude, liegt für mich eine besondere Kraft."

 

Wut

 

Blaue kristalline

Flüssigkeit

sickert

durch meine Poren

tropft in dein Gesicht

 

Schwarze klebrige

Traurigkeit

sammelt sich

in den Kratern

Deiner Verletztheit

 

Rote endlose

Wut

vibriert

in den Tiefen

unserer Wunden

 

Lila blass

kriecht die

Angst

durch

unsere Gedanken

 

Blaue weite

Sehnsucht

durchströmt

alle Glieder

unserer Leiber

 

Grüne helle

Freude

explodiert

in der Tiefe

unserer Herzen

Ritual

 

Glühende Kohlen

im Dunkeln

Salbei und Rauch

Brennen in den Augen

Einatmen

Ausatmen

 

Warten auf

die Leichtigkeit

den Schrei

des Adlers

den

letzten

Trommel

Schlag

POemcircle thirteen (06.2020)

Isabel Schrepel / Kathrin Düser / Martina-Riccarda Niklis

Kathrin: "Ich bin durch den Poemcircle wieder zum Schreiben, Dichten, Kreieren gekommen. Bin jetzt voll drin. I love it!"

 

Isabel: Der Poemcircle ist..."eine magische Reise in fantastische Welten, das macht mir so viel Freude, wie diese unendlich große innere Welt in mir erblüht."

FRAGEN INS NICHT

 

Ich bin eine lebendige Frage.

Wenn ihr mich beantwortet,

sterbe ich.

 

Ich verstecke mich in dunklen Ecken,

rage hakend aus dem Nicht,

dem Nicht-Wissen,

Nicht-Fassen.

Ich locke.

Wie kann ich lebendig sterben?

Du hast doch sicher eine gute Antwort?

 

Ich bin eine lebendige Frage.

Wenn Du mich beantwortest,

sterbe ich. Gebärend.

 

Niemals fasst ihr mich,

fasst meine Kinder nicht

und deren Enkelbrut.

Wir haken weiter,

aus der Dunkelheit.

Locken ins Grübeln,

ins Nicht.

 

Ich bin eine lebendige Frage.

Ich verbinde euch

wie zäher, klebriger Leim.

Schaffe fette Nähe,

die euch schwitzen lässt

und bibbern wie Kinder im Dunklen.

 

Ich bin eine starke, lebendige Frage.

Wenn ihr euch umdreht und geht,

mich einfach hängen lasst

und nicht füttert,

treibe ich ab,

schwebe schaukelnd,

verschüchtert hinaus.

Ein sich krümmendes Fädchen

mit winzigem Punkt,

der zurückschaut.

 

Was alles könnten wir heute gemeinsam gebären?

poemcircle twelve (06.2020)

Karin FU / Kathrin Düser / Martina-Riccarda Niklis

Kathrin über das Gedicht HEADLINES: "Spannungen drin, die auch am Ende immer noch da sind und zwar in mehreren Ebenen. Sie werden nicht aufgelöst. Sondern eher miteinander verknüpft, wie ein Netz."

 

Headlines

 

Überall Überschriften.

Über allem große Buchstaben.

Über all den klein gedruckten Worten,

den fein gedachten Ideen

prangt die eine Wahrheit

in dicken Lettern.

 

SHOPPEN MACHT UNS GLÜCKLICH!

 

UNS?

schrie ich.

UNS, UNS, UNS?

WHO THE FUCK IS UNS?

Hier habt IHR meine UNSterschrift!

Hier habt IHR eine

MONSTERschrift!

Ich erklär Euch den

Verzicht! Und zwar

auf ALLES.

Auf Sein, auf Haben.

Denn und auf wenn schon.

Sowohl als auch.

Einfach ALLES!

Auf dem Rest könnt Ihr

gerne SITZEN BLEIBEN.

Ich male Euch ein Monster

?

Und renne


Karin wählte das Gedicht WHO THE FUCK aus:

 

WHO THE FUCK

 

Wenn ich den Stern

am schwarzen Himmel

genau ansehe,

verschwindet er.

Wer, verdammt! Bin ich?

Ich leuchte aus mir heraus.

Doch komm mir nicht zu nah:

dark, darker, black star.

Verschwind ich im

verschwimm ich mit

dem schwarzen Who.

Huuu.

HuuuuuH!

Huhu? Ist da?

DU da ??

 

Wenn ich dich genau ansehe,

dir mitten in die Augen schau.

dich treffe im Herzen,

in meinem, in deinem.

Im Sein! Im Being!

Finde ich mich.

Einfach.

Mehrfach

in unzähligen Variationen

meiner

selbst.

 

Hey,

lass uns von hier verschwinden!

Zu Uns?

Oder zu uns?

Poemcircle eleven (05.2020)

This text was written in 12 minutes by Anne-Chloe Destremau, Daniela Bänsch, Jule Hutzler, Martina-Riccarda Niklis, Nicola Scheibitz and Susanne Hutzler.

Feelings

Feeling is different every time.

I’m astonished by how different the same feeling can be only days or hours later.

What I can fear today is different than the terror I felt during my school days and miles away from the tingeling of my feet while I write those lines.

What I can be joyous today is so different than the gladness I felt.

What is the difference between sad and glad? Or mad and glad? Or angry and mad? Is mad really somehow a way to be glad? Tearing away hair.

There is no safety in the ever changing feelings but the safety of changing.

Words are just bullshit.

Words are always just bullshit.

Stop talking.

Stop writing.

Stop thinking.

 

Poemcircle ten (05.2020)

Esther Large / Isabel Schrepel / Martina-Riccarda Niklis

 

Isabel sagt: "Für mich ist „Diamonds in the past“ die größte Angst (weil englisch) und intensivste Berührung gleichzeitig. Die Worte sind geflossen, es hat sich gefügt wie Zauberei, Schmerz hat sich in den Kreislauf von Leben eingefügt, alles ist verwoben, Anfang und Ende sind eins. Dieses Werk hat ein eigenes Wesen, es lebt."

 

(handschriftlich von Isabel)

Esther sagt über "Die meisten Dinge sind unten":

Es geht mir irgendwie in die Seele. Es passt gerade so in mein Leben und gibt Hoffnung für die Zukunft. Obwohl oft manchmal vieles durcheinander geht und man den Weg nicht mehr klar sieht, kann ich mich daran erinnern, dass alles und alle verbunden sind. Oft brauchen wir (oder andere) nur eine neue Perspektive, um wieder Hoffnung zu haben.

poemcircle NINe (04.2020)

Sabse / Ursula Ebner / Martina-Riccarda Niklis

 

Blauer schöner Himmel

 

Blauer schöner Himmel.

Gebührend entfernter Zufall.

Hinab in den Tobel sinnen

und auftauchend auf

entspannte Personen treffen.

 

Blauer schöner Himmel.

Gebührend entfernt Vögel.

Ihr Anblick macht mich sehnsüchtig.

Aufmerksam fühlend denke ich mich fort.

 

Blauer schöner Tag.

Harmloses Frühlingsgezwitscher.

Gebührend entfernter Blick in mich.

Tiefe und Reinheit.

Unsicherheit und Angst ganz nah beieinander

und am Himmel schönes Blau.

poemcircle eight (03.2020)

Frieda Tempel / Renate Niklis / Martina-Riccarda Niklis

 

Erinnerungsfetzen oder: Was vom Traume übrig bleibt

 

Ic hwusst ega rnich

tdas sic hfliege nkan

nwi eschö ne sglitzer

tvo nd aoben

 

Ic hwusst ega rnich

tdas sic hschwimm enkan

nwi eei nFischgeh eimnisvoll

eTiefeu ndab solu teStill e

 

Ic hwusst ega rnich tdas sic

hschwebe nkan nwi eein eFede rleich

tun dunbeschwer tnac hobe

nkein eGrenzen

 

Der Traumvogel

Sieht mich lange an

Als er hinweggleitet

Sei nBlic kfrisst sich

In meine Augen

Das letzte was ich

Von ihm wahrnehme

Ist ein hohe rSchrei

Sein hoher Schrei

Ein hoher Schrei

Vermischt sich mit

Dem Klingeln meines Weckers

 

 

Stille

 

Ein Atemzug so stark wie das Rauschen des Windes.

Ein Herzschlag so dumpf wie das Galoppieren des Pferdes.

Eine Bewegung so gleichmäßig wie das Tosen des Meeres.

 

Alles so laut und doch so still in meiner Welt.

Alles so fern und doch so nah in meinem Kopf.

Alles so bunt und doch so grau in meinem Herz.

 

Vertrau deinem Herzen und deinem Gefühl!

Vertrau dem Leben und der Welt!

Vertrau der Stille und hab Geduld

und alles findet seinen Platz.

Poemcircle Seven (02.2020)

Kathy T. / Sophia-Magdalena Hofmann / Martina-Riccarda Niklis

 

Sophia-Magdalena über FOTO VON DIR:

Für mich ist das Gedicht FOTO VON DIR das, welches die stärksten Reaktionen hervorruft.

Zunächst hat mich das Wort "Hure" getriggert und mich wütend gemacht. Dann gefiel mir der Teil von mir (mit bedacht meiner Wut) unglaublich gut, sowie das darauf Folgende.

Danach als es wieder zu der Hure zurück geleitet wurde, bin ich wieder wütend geworden. Das Ende lässt für mich einiges offen, d.h. dass ich denke, jeder kann sich selbst ausmalen, was das Ende bedeutet.

In diesem Sinne ein mit Wutemotion gefülltes Gedicht für mich. :)

Danke für das Experiment POEMCIRCLE, es hat mich auf viele Emotionen stoßen lassen und es hat mir Spaß gemacht!

 

Kathy über das folgende Gedicht: "Ich schlage FOTO VON DIR zur Veröffentlichung vor. Es hat mich emotional berührt und bewegt. Gefühlt ist hier beim Schreiben am meisten passiert. Und mir gefällt, was für unterschiedliche Facetten zum Vorschein kommen."

Aufgeschrieben von Sophia-Magdalena Hofmann
Aufgeschrieben von Sophia-Magdalena Hofmann

Poemcircle Six (01.2020)

Christian Peter Niklis / Daniela Bänsch / Martina-Riccarda Niklis

Daniela über das folgende Gedicht: "Das Gedicht hat mich sehr fasziniert. Mochte es zu Beginn nicht, hatte keine Ideen dazu. Und Angst, dass mir nichts einfällt. Dann hat es sich so wunderbar entfaltet. Die Strophen ergänzten sich gut, wurden etwas umgeschrieben, Ideen aufgegriffen, angepasst, ausgefeilt. Ein gelungenes Gemeinschaftswerk, wo ich alle drei von uns wieder finde. Diese Erfahrung, dass wir gemeinsam etwas erschaffen, dass einer alleine so nie könnte, fühlt sich echt großartig an. Tolles Teamplay. Und hat viel Spaß gemacht."

 

ALLTAGSSORGEN EINES SERIENKILLERS

 

Spiegeleier aus den Augen,

die großen Knochen ausgekocht,

ein Regenmantel aus der Haut.

 

Bisschen Sauerei mit dem Blut,

in Formaldehyd das Gehirn,

ein Fingernägel-Fensterbild.

 

Viel Arbeit macht das zweifellos,

und üble Umständ’ sind es auch,

kreativ sein fällt dabei schwer.

 

Es bleibt kaum noch genügend Zeit,

wohin nur mit dem ganzen Zeug,

wenn gleich um 4 die Putzfrau kommt?

 

Es klopft, die Putzfrau kommt zu früh,

noch sind die Eier in der Pfann‘,

der Regenmantel überm Stuhl.

 

Weiter aufräumen geht nicht mehr,

ich biet´ ihr einen Kaffee an,

Bewunderung fürs Fensterbild.

 

Ich pack es ein und schenk es ihr,

noch schnell den Kaffee für die Frau,

dann weiß ich nicht mehr was passiert.

 

Kurz schau ich weg, dann wieder hin,

schon liegt sie blutleer da und stumm,

gemeuchelt von der Todesgier.

 

Es ist und bleibt ein hartes Brot,

zu killen hier, zu metzeln da.

Vergnügen sieht ganz anders aus.

 

Doch schon mein Vater lehrte mich,

dies alte Handwerk, diese Kunst,

von Februar bis Januar.

Christian Peter Niklis über den Poemcircle: "Jedes Gedicht ist auf seine Art gut, witzig, geistreich oder morbide. Ich habe an jedem Gedicht mit vollem Engagement gearbeitet, alle 3 Gedichte enthalten etwas von meinem Wesen oder meiner Persönlichkeit. Um es anders zu sagen: Alle 3 Gedichte sind auch Christian!"

 

ALLE EINS

 

Wer schon einmal mit anderen Männern am Feuer saß,

die tanzenden Flammen beobachtete,

den Stimmen der Herzen lauschte

und dabei die eigene Wahrheit spürte,

der weiß, was Verbundenheit ist.

 

Wer schon einmal mit anderen Frauen im Regen tanzte,

die nassen Tropfen auf der Haut spürte,

der wilden Freude freien Lauf ließ

und dabei nur noch im JETZT war,

der weiß, was Lebendigkeit ist.

 

Der ist verbunden.

Der ist lebendig.

Der ist wie das Feuer,

dessen Flammen brennen

klar und heiß.

Der ist wie der Regen,

dessen Tropfen

prasseln auf die Dächer

der Hütten,

in denen wir sitzen

und unsere Kinder füttern.

Der ist Leben.

Der ist jetzt.

Der ist.

poemcircle five (12.2019)

Anne-Chloe Destremau / Gabriel Millinger / Martina-Riccarda Niklis

Anne-Chloe about the following poem: "I choose CHASING LIFE. The reason being that I think more people can identify with the crazyness of thinking, sitting, drinking, thinking that something would change and nothing does until the liquid state comes."

 

Gabriel: "I would like to publish CHASING LIFE because this is what keeps me thinking about me and also about other people. It feels like so many people are rushing without going anywhere."

Chasing life

 

Sitting. Waiting. Drinking.

Blaaarrb.

What have I been thinking?

 

Stop! Focus!

Quit thinking around in your mind.

Quit waiting all day for your life.

Wake up. Live. Life is short.

 

I thought, I would have should have done it.

Thought, I could have must have won it.

I can't stop feeling as if I'm running!

It's so stunning.

Somewhere is an even faster track.

 

Somewhere is an old strong tree.

At the moment of extreme tension,

I press the accelerator pedal onto the ground and,

with my eyes open,

fixate exactly the middle of the old trunk.

The explosion is huge, the single parts

spray in all directions.

A radical stop

from 100 mph to 0 mph.

Everything...to nothing.

Life...to death.

Light...to absolute darkness.

Silence

 

Everything that burns is not real

They claim

Then nothing is real

Because I burn and burn

And of me nothing is left

Deafening is the silence

Sitting. Waiting. Drinking.

What have I been thinking?

Martina about the following poem: " I choose UNDERGROUND FORESTS because it is calm and deep. It's underground."

Underground forests

 

Bodies are hanging

On your branches

Tree of the dead

Anchored by memories

Fed by tears

Sitting in your shadows

We drink sweet wine

The elixir works it magic

Blood changes to blessings

My assumptions reel

And you endure the transformation and observe

Who are we without death striking down each moment?

Sitting together we find out

What makes our live worth living

Being love?

We are gods. We are endless.

We are beginningless.

We are meaningless.

We are lifeless.

Deathless.

We are now.

We are.

Silence.

Nothing.

Oh.

poemcircle four (12.2019)

Adriana / Karin FU / Martina-Riccarda Niklis

Adriana über das folgende Gedicht: "Mein Favorit ist DURST. Es ist so wild und ungestüm und hat eine ganz eigene Lebendigkeit bekommen."

 

 Durst

 

Ein Gedanke blitzt auf

Ein harmloses Sehnen

Doch alles andere füllt schneller meinen Kopf

Dann...

Ein vernehmbares Klopfen

Da wartet noch etwas auf Zufriedenstellung

Will Gehör sich verschaffen

Klopft lauter

I don‘t want to hear you

Stop knocking now!

Just shut up and leave me alone

Und ich mache schnell noch zwei Termine aus

 

Jedoch wie ein kleines Tierchen

Nagt das Sehnen in mir

Hinten in der Kehle

Kratzt und klopft und wird größer

So lange bis ich

Schreie

Tobe

Mich aufbäume

Den Sturm aufziehen lasse bis die Flutwelle alles niedergewalzt hat

Bis nichts mehr übrig ist als dunkles Schweigen

 

Und da bin ich

Nackt und atmend

Nur Stille kleidet mich

Bedeckt die Zeichen

Die der Sturm hinterließ

Dann ein Versuch

Ich schlucke

Räuspere mich

Bin glücklich über das leichte Kratzen

Ganz hinten

Und ich weiß

Ich lebe

Karin FU über das folgende Gedicht: "Ich mag das Gedicht, weil es eine Verbundenheit ausdrückt mit der Unendlichkeit."

 

Wann man einen Baum umarmt

 

Unperfekt lehne ich mich an dich,

warmes Ohr an

kühle Rinde.

Unwiderstehlich stumm

bleibst du immer länger als ich.

Unumstößlich ragen deine Wurzeln

weiter als meine Gedankenkreise.

Unvergänglich welken jedes Jahr deine Blätter,

zeigst du verblümt dann Fortschreiten.

Unsicher leg ich meinen Kopf an dich,

unerfahren mit der Ewigkeit,

der du erwächst,

an der ich teilhabe für eine kurze Zeit

in all meiner Unzulänglichkeit.

Poemcircle Three (12.2019)

Christian Weitbrecht / Tobias P. / Martina-Riccarda Niklis

Tobias über das folgende Gedicht:

"Meine beiden Vorschreiber schütteten hier reichlich Wasser einen kaskadenartigen Wasserfall hinunter, das fühlte sich rauschhaft an und ergreifend. Ob ich da würde mitschütten können, und in einem passend fortsetzenden Stil? Doch, es ging, und passte, und wurde angenommen. Und so verschieden wir drei wohl sind, so stimmig schufen wir hier in zwei Runden einen gemeinsamen Text, der jede(n) von uns enthält und etwas anderes geworden ist als eine(r) von uns allein gefunden hätte."

Die Wirklichkeit ist auf lästige Weise komplizierter

 

Wir erschienen uns

als aufgeweckte Sturmgesellen, als muskulöse Wortgewaltige.

Aus empörungsverliebter Kritik,

nicht durch Urteilskraft gebändigt,

saugten wir wirkmächtigen Nektar.

Aus der dreisten Selbstdarstellung

eigenen jugendlichen Liebreizes

spannen wir arglose Träume.

Denn die wahre kraftvolle Weisheit

kam von uns, den berechtigten Entjungferern

unentdeckt brillianten Gedankenguts!

 

Wir empfingen unsere Kinder

aus den Armen faszinierter Schönheiten,

die an unseren Lippen hingen

wie schmückende Kletten.

Aus lebenden Steinen und sprechenden Wurzeln

bauten wir Wohnstätten oben

auf windumspülten zerklüfteten Berghängen

mit unserer nicht zuendegehenden Kraft.

Denn von dort oben, auf den Höhen,

konnte jeder unser Brüllen

freigelegter verstörender Wahrheiten vernehmen!

 

Endlich gelangten wir an einen Fluss,

dessen anderes Ufer uns unerreichbar schien

und doch verlockend.

Und wir begannen, Brücken zu bauen, ein jeder die seine.

Am neuen Ufer trafen wir andere Menschenwesen.

Sie sprachen in einer Lichtsprache alter Weisheit.

Wir lauschten ihren Worten und fassten Vertrauen.

 

Oh, das schmerzte erweckend:

Unsere Gedanken waren linear

unsere Selbstdarstellung überheblich

unsere Träume wenig visionär

unsere Weisheit jugendlich

unsere Gefühle taub

unsere Beziehungen ohne Nähe

unsere Herzen verschlossen.

Dabei hatten wir uns doch immer

wahrhaftig bestätigt

wie wahr unsere Mythen sind!

 

Denn diese lichtverbundenen Geschöpfe

mit den hellgrün kristallenen Augen

sahen direkt in unsere schlagenden Herzen,

und mit ihren spärlichen Wörtern

trafen sie unsere hilflose Weisheit

wie Pfeile das sich bewegende Ziel.

Und unsere unsichtbaren Gefühle

legten sie frei, so restlos frei, bis diese

vor uns lagen wie blutende junge Vögel

und wir uns endlich

nicht mehr

helfen konnten

selbst.

 

So öffneten sich für uns neue Mühen und Wege,

sie führten durch Sumpf und Morast,

durch manche Entsagung und Enttäuschung.

Uns begleitete dieser Blick

aus den hellgrünen Augen

vor uns,

in ihm sahen wir Welten und Ziele,

und ein Wort klang in uns:

MENSCH.

Tobias über das folgende Gedicht:
"Im knappen Format meiner dreizeiligen Vierzehnsilber hatte ich dieses Gedicht begonnen. Was würden meine Nachfolger daraus wohl machen? Sie übten sich auch in Kürze, finde ich, und im ergänzenden Reihum schien es mir, als würde das Gedicht zuvor schon existieren und nun durch drei verschiedene Kanäle zur Landung gebracht. 
Als der letzte Satz auf dem Display erschien, waren wir drei uns gleich einig, dass es damit "rund" ist. 
Dieses Aufgreifen des Anfangs am Ende und der damit aufgespannte Bogen hat für mich eine starke Kraft, es hat mir große Freude bereitet.
Experiment gelungen!"

Der Sturz

 

Verloren, einsam,

im dunklen Grund,

erfuhr ich Leere.

 

Leere war besser

als das, was ich

davor gefühlt hatte…

Angekommen…froh

unverletzt zu sein,

keimte neue Angst:

Was weiter?!

 

Einzig die Neugier

ließ mich den Kopf erheben.

Um mich selbst zu sehen

im leeren Nichts:

die schillernde Hülle

stumm und taub.

 

Nun begann das Suchen,

Tasten, Finden,

und Licht keimte

unter der Haut,

erhellte mich selbst,

erhellte den einst

dunklen Grund.

Erhellte die Leere.

Erhellte die Angst.

 

So fand ich andere,

die das Licht nicht sahen,

ihre Haut

war noch trocken und leer,

sie glaubten nicht

an sich selbst

und nicht an einander.

 

Verloren, einsam,

im dunklen Grund,

erfuhren sie Leere.

POEMcircle Two (12.2019)

Elke Barelmann / Lara R. / Martina-Riccarda Niklis

be-come

Listen to the quiet smiles

(You shall take the smallest dose)

Place your ear on frozen tiles

Face their wisdom, eat their prose

 

Make them useless, make them glow

But don't breathe the earthy fog

Upside-down the world is slow

And within the root will rot

 

Thinking doesn't equal feel

Come after the path of tears

What you feel is what you’ll be

And some words are bloody spears

 

See who sits around the fire

It‘s the king with bright blue eyes

Here’s a beggar and we dance

Through the glowing coals at night

 

FEUERLAND

Ich laufe rückwärts.

Immer dem siebten Halswirbel nach,

hieß es doch

damals in der Zukunft.

Was war kommt immer näher

und die Gegenwart

rückt in weite Ferne.

Doch nun:

U-Turn,

ich laufe vorwärts in die Vergangenheit,

halte an der Gegenwart an,

laufe rückwärts in die Zukunft.

Mache was ich will.

Spiele,

kann frei entscheiden,

wo ich wann sein möchte.

Und ich weiß nicht, wo ich bin.

Nur, dass es hier richtig ist.

 An diesem Ort,

 der in Flammen steht.

 Dieser Ort, der doch keiner ist.

 Kein Ort.

 Keiner.

 Keine.

 Kein.

 Kei.

 Ke.

 K.

POEMCIRCLE ONE (11.2019)

Tara Sophie Kaletsch / Karsten Ugelvik / Martina-Riccarda Niklis


PRESSURE

pushing down on me

pushing down on you

I know that you just sang this part.

 

PRESSURE

I wanna move and I can't

I'm just watching how the walls come closer and closer.

I'm not good with small rooms.

 

PRESSURE

I'm stuck

Between the thick walls of my brain

Although I'm not good with small rooms.

 

PRESSURE

I'm gasping for air.

Heavy weight upon my chest.

No more room for air.

 

So I secretly go inside

through the inner corner of my left eye.

Pass the nose, go through my neck

and slide on warm mucous membranes.

Down into my stomach,

where the intestinal loops surround me

like a forest.

Here I lie

down under a tree.

Nobody noticed

my disappearance.

 

Nobody noticed my numbness

Nobody heard my silent screams

If nobody heard me

Did I actually fall?

Was the pain real?

Who is the person asking these questions?

Can I even mention the fact that a penis penetrated my vagina as I was lying there as soil and clay and stones and grass and water and little ants crawling all over my paralyzed body and dying dignity?

Can I even talk about it?